Florian MerzIm Auftrag der Kultur und für Bad Elster

Florian Merz hat es geschafft: „Bad Elster, mitten im Herzen Europas, ist zum Wohle der Region eine richtungweisende Kultur- und Festspielstadt geworden, die inzwischen Modellcharakter hat“.

Dabei sah es für die Kultur der Stadt im südlichen Vogtland nicht rosig aus, als der junge, 24-jährige Dirigent und studierte Diplommusiker Anfang 1992 aus Düsseldorf hierher kam. „Ich hatte die Aufgabe, innerhalb eines halben Jahres das 1817 gegründete Orchester vor Ort aufzulösen und die Kultur zu begraben. Keiner sah in diesem Bereich eine Zukunft für Bad Elster. Ich habe aus Überzeugung meinen Auftrag nicht ausgeführt und schließlich mit visionärer Unterstützung - primär der Stadt Bad Elster und der Sächsischen Staatsbäder GmbH - Strukturen geschaffen, um die Traditionen hier zeitgemäß weiterführen zu können“, erklärt der 48-Jährige Generalmusikdirektor heute. Das hieß bei Florian Merz: Das Orchester „auf den Kopf stellen“, ein eigenes, künstlerisches Profil der Chursächsischen Philharmonie entwickeln, – und effizient und effektiv vor und hinter den Kulissen zu arbeiten.

„Mit bescheidenen Mitteln im Vergleich zu anderen haben wir etwas Besonderes aufgebaut“. Basierend auf diesem musikalischen Erfolgspotential gründete sich schließlich - durch Merz - 2002 die Chursächsische Veranstaltungsgesellschaft.

Begonnen haben die Chursachsen mit einem Jahresgesamtumsatz von 250.000 Euro – jetzt liegen sie bei 1,7 Millionen Euro. Nach anfänglich 22%  deckt die Gesellschaft heute ihre Kosten zu rund 60% selbst – im Kulturbereich ist das eine derartige Ausnahme, dass andere Kulturstandorte aus der ganzen Republik beim Geschäftsführenden Intendant, Generalmusikdirektor Florian Merz, nachfragen, was er und sein schlankes, kompetentes Team eigentlich richtig macht.

„Seit 1992 bildet Bad Elster einen Teil meiner Heimat, der andere Teil ist mein Geburtsort Düsseldorf. Auch hier warten verantwortungsvolle Aufgaben: dort bin ich für die international erfolgreich agierende Rheinische Post mediengruppe unternehmerisch und publizistisch tätig. Mittlerweile bin ich zu einer Art Botschafter für Sachsen, das Vogtland und Bad Elster geworden. Ich vertrete überzeugt dieses Land, das so reich an Kultur, Historie und Zukunftspotentialen ist, und sich bis heute zu einem führenden Bundesland in Deutschland entwickelt hat.“  Aufgrund seiner herausragenden Leistungen für Sachsen wurde ihm 2013 die höchste Auszeichnung des Sächsischen Königshauses, die St. Heinrichs Nadel, verliehen. 2014 erhielt er zudem den renommierten deutsch-tschechischen Ehrenpreis der EUREGIO EGRENSIS.

Der Dirigent und sein Vorbild

Wie kam Florian Merz dazu, die Kultur von Bad Elster für sich zu entdecken? Das hat mit seinem großen Vorbild zu tun, wie er selbst erklärt: „Ich fühle mich niemandem derart verbunden wie Joseph Haydn. Er lebte in Wien, das war der Grund für mein Musikstudium dort. Er entschied sich für die 4.000 Einwohner-Provinzstadt Eisenstadt, ich habe Ähnliches getan“. Noch heute ist eine kleine Haydn-Büste, die er sich als Student leistete, Merz` Heiligtum. „In der Provinz muss ich mein Eigen werden“, habe der prägende Komponist der Wiener Klassik einmal gesagt und in den bald 30 Jahren seiner Tätigkeit in Eisenstadt ein kulturelles Zentrum aufgebaut, dass europaweit Bekanntheit erlangte.

Dieses Leben ist für Florian Merz ein Ansporn, den selbst die Frage umtreibt, „wie die Provinz ein Leuchtturm werden kann“. Mit den neun historischen Veranstaltungsstätten in Bad Elster, darunter das König Albert Theater, das Naturtheater und die KunstWandelhalle, und mit den heute jährlich 1000 Kulturveranstaltungen für 200.000 Besucher, ist ihm das wirklich gelungen.

Immer wieder wundern sich Gäste aus nah und fern, wie hochkarätig die Namen der Künstler und Ensembles aus der ganzen Welt sind, die in Bad Elster live zu erleben sind. Merz: „Ganzjährige Opern, Operetten, Musicals, Konzerte aller Art, Schauspiele, Lesungen, Kabarett-Abende und Kinderveranstaltungen gehören zum festen Programm. Das König Albert Theater bildet mit seinen jährlich rund 70.000 Besuchern das Zentrum der Kultur- und Festspielstadt Bad Elster.“ Seit seiner Wiedereröffnung 2004 hat das Haus inzwischen über 30 „Ehrenkünstler“, darunter Wolfgang Stumph, Semperoper Dresden, Max Raabe und Johannes Heesters†. Generalmusikdirektor Florian Merz selbst stemmt hier als Dirigent seiner Chursächsischen Philharmonie mit Symphoniekonzerten und als „Gast“ vieler Musiktheater rund 40 Vorstellungen pro Spielzeit.

Spezialisiert hat sich die Elsteraner Philharmonie, welche sich heute aus führenden Musikern Mitteldeutschlands zusammensetzt, auf die sog. historische Aufführungspraxis mit Originalinstrumenten aus Barock, Klassik und Romantik, die zumeist aus der benachbarten Musikstadt Markneukirchen stammen. Und Florian Merz findet noch mehr Gemeinsamkeiten mit Vorbild Haydn: Was für den Wiener Klassiker im grenznahen Eisenstadt die Ungarn waren, sind für Merz die Tschechen. „Wir leben im Herzen Europas, ich liebe die besondere kreative böhmische Mentalität und die Zusammenarbeit mit ihnen.“

Kontinuierlich entwickelte Partnerproduktionen, beispielsweise mit den führenden Theatern aus Prag, Plžn, Liberec und Usti nad Labem und die Zusammenarbeit mit tschechischen Orchestern – als EUCHESTRA EGRENSIS, zeugen von der engen Verbindung.

„Wir legen in Bad Elster großen Wert auf die niveauvolle, weltoffene und völker- und generationenverbindende  Weiterentwicklung unserer Traditionen. Dabei sehen wir unsere Aufgabe aber nicht in der Anbetung der Asche, sondern im Weitergeben der Flamme! Der Ort ist seit 1848 Königlich-Sächsisches Staatsbad. Das Theater wurde 1914 als letztes deutsches Hoftheater eröffnet und genießt seitdem den persönlichen Schutz des Königshauses Wettin. Heute steht das König Albert Theater unter der Schirmherrschaft von Alexander Prinz von Sachsen und wurde 2015 in die renommierte „European Route of Historic Theatres“ feierlich aufgenommen.“

Zur PersonFlorian Merz

Vita

  • 1967 in Düsseldorf geboren
  • 1982 hat Florian Merz mit 15 Jahren die Klassische Philharmonie Düsseldorf gegründet, mit der er unter anderem 18 Opernproduktionen und regelmäßig Symphoniekonzerte aufführte
  • 1984-88 Musikstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, danach folgte die Bundeswehr
  • seit 1985 Gastdirigent von weltweit bislang ca. 60 Orchestern/bedeutende Auszeichnungen als Dirigent
  • 1991/92 Geschäftsführender Intendant und Generalmusikdirektor der Chursächsischen Philharmonie e.V.
  • seit 2000 Mitglied des Aufsichtsrates der Rheinisch Bergischen Verlagsgesellschaft (RBVG)
  • seit 2002 Geschäftsführender Intendant und Generalmusikdirektor der Chursächsischen Veranstaltungs GmbH
  • seit 2011 stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der RBVG
  • seit 2012 Herausgeber der Tagezeitung Rheinische Post
  • seit 2013 Mitglied des Aufsichtsrates der Zeitungsgruppe Saarbrücken
  • Ehrenämter: u.a. Sachkundiger Einwohner im Kreistag des Vogtlandkreises, Beirat des Kulturraumes Vogtland-Zwickau, Vorstandsmitglied der Robert-Schumann-Gesellschaften Zwickau und Düsseldorf, Vorstandsmitglied der Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post
  • 2016 Ernennung zum Botschafter des Vogtlandes