Marcel WeidenmüllerVon Promis, Rennfahrern und der weiten Welt - zurück ins Vogtland

Bis nach Bahrain, Kapstadt oder Barcelona reiste Marcel Weidenmüller: Der Falkensteiner verköstigte bis vor kurzem Rennfahrer aus Formel 1 und DTM und andere Prominente mit seinem Catering-Service. Jetzt ist er Chef der Traditionsbäckerei Weidenmüller – trägt viel Verantwortung und kreiert Köstlichkeiten wie das Moosmaa-Wurzelbrot.

Schokoladen-Mousse, Crème brûlée, Frühstücksbrötchen oder Croissants: Das bereitete Marcel Weidenmüller an ganz unterschiedlichen Orten auf der Welt.

„Oft kommen die einfachen Gerichte, wie ein richtig guter Kaiserschmarren, besser an als völlig ausgefallene Dinge“,

sagt der 35-Jährige. Unzählige Veranstaltungen betreute er in Deutschland, mit Persönlichkeiten wie der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Grundstein für diese Karriere wurde in seiner Heimat Falkenstein gelegt: Hier ging er in der elterlichen Bäckerei bei Vater Ulrich Weidenmüller in die Lehre. Es folgten die Meisterabschlüsse als Bäcker, Konditor und Pâtissier.

„Danach wollte ich etwas von der Welt sehen.“

Als er in Österreich arbeitete, bekam Marcel Weidenmüller die Chance, das Catering für ein Formel-1-Team im fernen Bahrain zu übernehmen. Eine völlig andere Welt wartete auf ihn: „Man muss aufblühen, wenn es ans Limit geht. Oft ist Einsatz von früh um fünf Uhr bis Mitternacht. Drei Stunden Schlaf im Hotelzimmer müssen manchmal genügen. Aber wenn das Team dann den Sieg holt, freut man sich und feiert mit“, erzählt er mit Begeisterung. Er konnte überzeugen: 2010 bekam er einen Vertrag, um das Audi-Team bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) zu begleiten. Danach ging es sechs Monate für Porsche nach Kapstadt – ein Arbeitseinsatz im Präsidentenpalast bei Nelson Mandela inklusive. 40 Motorsportrennen betreute er mit seinen Desserts und seiner Backkunst in den Folgejahren weltweit.

Dubai, Valencia – aber trotzdem immer wieder Falkenstein.

„Ich hatte nie vor, wegzuziehen, bin viel gependelt. Nach den Veranstaltungen bin ich manchmal an den Strand, aber dann nach Hause. Ich bin gerne hier und war immer glücklich, wenn ich heil wieder in Falkenstein ankam.“

Hier warteten Freunde, die Familie – und Frau und bald auch zwei kleine Kinder. Schließlich stand eine wichtige Entscheidung an: Die Eltern erreichten das Rentenalter. „Dass ich unsere Bäckerei übernehme, stand für mich fest.“ Seit März 2017 ist er nun Chef und kümmert sich um 18 Angestellte und sechs Verkaufsstellen.

„Das ist anderer Stress als bei den Renn-Einsätzen. Hier trage ich viel Verantwortung für andere.“ Schwer gefallen ist ihm der Abschied schon: „Auf der letzten Veranstaltung war ich traurig. Ein Rennen möchte ich vielleicht noch begleiten, um selbst einen Abschluss zu finden.“

Nach seinem Rückzug aus dem aufregenden Leben der Highsociety begann eine verrückte Zeit: Verschiedene Zeitungen interessierten sich für ihn. Ein Manager meldete sich, der ihn betreuen wollte. Andere wollten Ess-Gewohnheiten der Stars wissen. „Auch Pro Sieben und Sat.1 wollten hier drehen, Kochshows als Ost-West-Vergleich und andere Formate. Ich habe abgelehnt, wir sind ein kleiner Handwerksbetrieb.“ Im Vogtland findet er genau das, was er sucht: Das ländliche Leben, Ruhe und das Gefühl, zu Hause zu sein.

„Eine Woche in einer größeren Stadt reicht mir schon, dann will ich heim.“

Im Moment dreht sich alles um die Bäckerei: „Mein einziges Hobby sind meine Kinder.“ Der Arbeitstag des Bäckermeisters beginnt gewöhnlich um ein Uhr nachts. Eine Eigenkreation ist sein Moosmaa-Brot: Ein Wurzelbrot mit einheimischen Kräutern.

„Ich habe lange probiert, bis es hundertprozentig gepasst hat. Wichtig ist mir, nur regionale Produkte zu verwenden: Mehl, Eier und auch die Kräuter kommen von hier.“

Brennnessel, Bärlauch, Ringelblume und andere Kräuter finden sich im Moosmaa-Brot, das auf eine der wichtigsten vogtländischen Sagengestalten Bezug nimmt. Die Form soll übrigens an die Wurzeln erinnern, unter denen der Moosmaa haust. Die vielen Erfahrungen, die Marcel Weidenmüller inzwischen gesammelt hat, will er auch weitergeben:

„Wir bilden gerne aus. Ich freue mich, wenn junge Leute am Bäckerhandwerk Interesse haben."

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