Mein VogtlandZwischen Pauken und Trompeten

Dass den Menschen im vogtländischen Musikwinkel die Faszination für Instrumente und Musik schon irgendwie im Blut liegt, erscheint Dr. Enrico Weller etwas übertrieben. Zumindest aber führt in Markneukirchen kaum ein Weg daran vorbei.

Auch für den Stadtmusikdirektor spielte die Musik schon immer eine Rolle. Als Kind konnte er die wohligen Klänge der alten Drehorgeln und Leierkästen aus dem Musikinstrumentenmuseum direkt gegenüber seines Elternhauses oft schon in den Morgenstunden hören. Seine Vorfahren waren Instrumentenbauer, die Mutter im Kirchenchor. Kein Wunder also, dass ihn sein weiterer Lebensweg erst an das Zwickauer Robert-Schumann-Konservatorium und anschließend an die dortige Hochschule führte.

Heute unterrichtet er Musik und Deutsch am Gymnasium in Markneukirchen, das mit seinem musischen Profil bereits die jungen Schüler der 5. und 6. Klassen für die Musik und das Spielen von Instrumenten begeistern soll. Enrico Weller leitet die jungen Bläserklassen, organisiert mit ihnen gemeinsam das Abschlusskonzert und versucht, seine Leidenschaft an die nächste Generation weiterzugeben:H

„Mit dem musischen Profil weckt man bei den jungen Menschen das Interesse für ein Instrument schon sehr früh. Man legt eine Grundlage. Das ist wichtig, schließlich ist die Anzahl gerade auch an Instrumentenbaufirmen in Markneukirchen riesig“.

In den Unternehmen aus dem Bereich Musikinstrumentenbau arbeiten heute auch einige ehemalige Schüler des Markneukirchener Gymnasiums.

Und tatsächlich können sich auch heute noch viele junge Menschen für die Musik und ein Instrument begeistern:

„Wir haben uns das Umfeld und die Bedingungen dafür selbst geschaffen“,

so der fünffache Familienvater. In Musicalprojekten, Konzerten und anderen Veranstaltungen, wie dem Weihnachtsoratorium können die jungen Menschen ihr Können zeigen und die Schüler der Oberstufen das praktische Wissen unter Beweis stellen.

Aber auch außerhalb der Schule eröffnen sich für die musikalischen Talente allerhand Möglichkeiten, etwa mit der Musikschule oder dem stadteigenen Sinfonie- und Blasorchester. Letzteres wird nicht nur von Enrico Weller dirigiert, sondern seit nunmehr 20 Jahren auch geleitet

Überhaupt ist der 46-jährige in seiner Heimatstadt sehr engagiert. Als anerkannter Wissenschaftler forscht er zum vogtländischen Instrumentenbau und sitzt mit im Vorstand des Vereins der Freunde und Förderer des Musikinstrumenten-Museums e.V. - der Einrichtung, die ihn schon seit seiner Kindheit begleitet.

„Ich wünsche mir für Markneukirchen nichts Zusätzliches. Es ist eigentlich alles da. Aber wir müssen das Erhaltene weiterbringen. Ich wünsche mir, dass das Museum wieder etwas Tolles wird, ein Ort, an dem die Besucher von der Instrumentenbaugeschichte regelrecht gepackt werden“,

so Weller. Es berge bereits jetzt einen Schatz an Instrumenten. Aber gerade der fachliche Anspruch dürfe nicht verloren gehen. Auch Studenten und Experten müssten dort auf ihre Kosten kommen können, ergänzt er. Ideen, um das seit 1883 bestehende Musikinstrumenten-Museum weiter zu entwickeln, liefere auch der Verein.


Vita:

  • geb. am 28.05.1972 in Oelsnitz/V.
  • 1978-1986: POS Markneukirchen
  • 1986-1988: Robert-Schumann-Konservatorium Zwickau (Hauptfach Klarinette)
  • 1988-1994: Lehramtsstudium an der Hochschule Zwickau
  • 1994-1996: Referendariat am Gymnasium Markneukirchen
  • 1996-1997: Lehrtätigkeit am Carl-von-Bach-Gymnasium Stolberg
  • seit 1997/1998 Lehrtätigkeit am Gymnasium Markneukirchen
  • 2003: Promotion zum Dr. phil. im FB Musikwissenschaft an der TU Chemnitz