Norman Brückner50 Jahre zwischen Höhen und Tiefen

In diesem Jahr hält Norman Brückner einen außergewöhnlichen Jubiläums-Rückblick: Vor 75 Jahren wurde er geboren, vor 50 Jahren übernahm er seinen Betrieb – und Ende des Jahres wartet noch die Goldene Hochzeit. Kein Wunder, dass der Geschäftsführer der Markneukirchner Catgut GmbH 2015 ein besonderes Resümee zieht: Es war nicht immer einfach, aber das Kämpfen habe sich gelohnt.

Die Tradition bewahren - trotz Rückschlägen

Norman Brückner hat die Entscheidung nie bereut: 1965 übernahm er den Betrieb seines Großvaters, der in Markneukirchen steriles, chirurgisches Nahtmaterial herstellte. Wenn er heute über sein berufliches Leben spricht, lächelt er und wirkt zufrieden: "Man muss nach vorne schauen und versuchen, den verschiedenen Herausforderungen gerecht zu werden." Den ersten Rückschlag erlebte er bereits in seinem siebten Jahr als Geschäftsführer: "Unser Betrieb wurde komplett enteignet, das war einer der schlimmsten Momente meines Lebens. Danach war wenig Eigeninitiative gefragt." Aus der Wende-Zeit berichtet er: "Ich bekam von der Treuhandanstalt die Aufgabe, den Betrieb zu verschlanken, das heißt, über 200 langjährige Mitarbeiter zu entlassen. Das war genauso schlimm." Er ergänzt: 40 Stunden habe die frühere Enteignung gedauert - und fast zwei Jahre der zähe Rückkauf des großväterlichen Unternehmens. "Keine Bank wollte den Kredit dafür übernehmen. Erst die Kreissparkasse unter dem damaligen Leiter half uns, sonst wäre alles aus gewesen." Mit 45 Leuten startete er fast bei Null. Das Glück: Viele Krankenhäuser und Ärzte kannten die Produkte der vogtländischen Catgut und vertrauten ihnen.

„Wichtig war mir, die Produktion in Deutschland zu halten. Dem zunehmenden Kosten- und Preisdruck wirken wir mit modernster Fertigungstechnologie entgegen.“

Im Jahr 2000 folgte der dritte große Niederschlag. "Durch die BSE-Krise wurde Nahtmaterial aus Schaf- und Rinderdarm verboten. Wir mussten alles komplett zurückrufen, die Krankenhäuser vergüten und den Lagerbestand vernichten. Den Schaden von 900.000 Mark trugen wir allein." Wieder kam die Hilfe im letzten Moment: "Wir fanden auf dem freien Markt einen Lieferanten für qualitativ hochwertiges synthetisches Fadenmaterial." Die eigene technologische Entwicklung zur Herstellung synthetisch-resorbierbarer, steriler, chirurgischer Nahtmaterialien im Jahre 1994 sei existenzentscheidend gewesen. 1996 gründete sich im thüringischen Ichtershausen das Tochterunternehmen TNI Chirurgisches Nadelwerk GmbH. Brückner: "Wir gehören zu den wenigen Nahtmaterialherstellern mit einer eigenen Nadelfertigung für die Chirurgie." In der eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung werde ständig an Innovationen und Verbesserungen gearbeitet. Heute umfasst das Unternehmen 110 Mitarbeiter.

„Bei allen Herausforderungen der letzten Jahrzehnte konnte sich die Firma immer auf hochmotivierte Mitarbeiter verlassen, die klug und umsichtig gehandelt haben.“

„Unser Lichthof eignet sich u. a. für Ausstellungen. Dabei handelt es sich um einen Saal mit viel Oberlicht. Wir bieten Künstlern der Region eine Plattform, dadurch kommt Abwechslung in das Innere des Betriebes. Vor kurzem eröffnete die 40. Ausstellung mit dem Maltreff Bad Elster.“

Herr Norman Brückner befindet sich seit 2015 im Ruhestand.

Zur PersonNorman Brückner

Vita

  • 1940 geboren
  • 1945 Aussiedelung aus dem  tschechischen Luby (Schönbach) und seitdem wohnhaft in Markneukirchen
  • Maschinenbau-Studium an der TU Dresden
  • 14 Jahre Stadtrat in Markneukirchen und langjähriges Mitglied der IHK-Regionalkammer Plauen 
  • verheiratet, einen Sohn
  • seit 2015 im Ruhestand