Christian Kluge-SammerVon Reuth über Dresden nach Neuseeland und wieder zurück

In der Ferne studiert, in der Fremde geerdet – aber ein vogtländischer Landwirt war Christian Kluge-Sammer in der Tiefe seines Herzens schon immer

Wie ein dicker Wattebausch hängt der Hochnebel auf der „Hohen Wache“ bei Schönlind, der Morgenwind bläst mit eisigem Atem über die sanft abfallenden Hänge. „Ja, das Wetter hier härtet ab“, kommentiert Christian Kluge-Sammer mit verschmitztem Seitenblick die halberfrorenen Gesichter der Städter. Eigentlich wollte er uns den grandiosen Ausblick über das Burgsteingebiet zeigen, bei schönem Wetter reicht die Sicht auch bis hinüber nach Plauen. Und man sieht seinen Betrieb von der Kuppe aus, die Milchwirtschaft Dehles e.G. – es wäre ein perfektes Motiv gewesen. In Schönlind ist der 34-Jährige aufgewachsen. Und wenn er den Begriff Heimat assoziiert, dann mit dem Panorama, das sich von diesem Berg aus eröffnet.

Auf der Rückfahrt zu den weitläufigen Stallanlagen der Genossenschaft unterhalten wir uns über Neuseeland, wo die landwirtschaftliche Arbeit längst nicht so stark reglementiert ist wie hier in Deutschland. Etwa 9 Monate hat der diplomierte Agrarwirtschaftler nach seinem Studium dort verbracht, im Rahmen eines Trainee-Programms des Bauernverbands. „Und ja, es ist dort tatsächlich so schön, wie alle sagen. Aber wenn man länger da ist und hinter die Kulissen blickt, sieht man auch, dass Tourismus und Kommerzialisierung ganz schön Einzug gehalten haben.“ Christian Kluge-Sammer war viel draußen in der Zeit. Der Betrieb baute Getreide, Mais und Erbsen an, unterhielt viel Wiese und eine Saatgutaufbereitungsanlage. Außerdem weideten auf dem Gelände 300 Stück Rotwild.

Man möchte meinen, dass der Abschied aus dem vielgepriesenen Flecken auf der anderen Seite der Erde schwerfällt. „Für mich war das nicht so die Frage“, entgegnet der junge Landwirt. „Man hat dort ja nicht das soziale Umfeld wie hier. Außerdem gab es schon ein Jobangebot in der Nähe von Dresden. Aber es war gut, nach dem Studium dort erstmal wieder eine Weile im Dreck rumzuwühlen und keinen Status zu haben, der vielleicht an irgendwelchen Diplomen hängt. Insofern habe ich das auch als persönliche Läuterung erlebt. Das erdet einen wieder.“ Zurück in Sachsen heuerte er 2004 als pflanzenbaulicher Leiter bei einer Agrargenossenschaft nahe Radeberg an. Hatte etwa die Hälfte der Belegschaft zu verantworten, ein Management-Job. Wer weiß, wie sein Leben dann weiterverlaufen wäre, wer weiß, wo. Hätte nicht die Heimat gerufen.

Das bäuerliche Leben wurde dem Knaben Christian quasi in die Wiege gelegt: Sein Vater war Chef der Agrarproduktion Reuth. Dort ging der Junge zur Schule, dort gab es an manchen Nachmittagen und in den Ferien handfeste Arbeit zu erledigen, dort schob er seinen Zivildienst und dort lernte er auch, wie sollte es anders sein, schon als 11-Jähriger den Trecker übers Feld zu lenken. Wer so tief verwurzelt aufwächst, bei dem reißen die alten Bekanntschaften nicht mehr ab. Und so erfuhr er auch von der neu zu besetzenden Geschäftsleiterstelle in Dehles, nur ein paar Steinwürfe von seiner Kinderstube entfernt. „Da kam irgendwie auf einmal alles zusammen. 2007 hatte ich auch meine jetzige Frau kennengelernt, die aus Plauen stammt.“ Der Kreis war rund wie das „o“ in Vogtland.

Es wäre übertrieben zu behaupten, eine ständige Sehnsucht nach der Heimat hätte Christian Kluge-Sammer all die Jahre in der Fremde umgetrieben. Als Landwirt pflegt er eine recht pragmatische Sicht auf die Dinge des Lebens. „Aber es ist schon schön, wieder hier zu sein“, gibt er zu. „In Weischlitz hatte ich bis 1999 Fußball gespielt – damit habe ich vergangenes Jahr wieder ein bisschen angefangen. Man trifft die Leute von früher wieder und ist dann auch schnell wieder fester Bestandteil der Gesellschaft. Und im Herbst habe ich mich sogar mal daran gewagt, die legendäre Holundersuppe meiner Großmutter nachzukochen. Es war schon nahe dran, aber irgendwas hat sie noch anders gemacht …“

InformationenÜber die Milchwirtschaft Dehles e.G.

1991 als Nachfolgebetrieb der LPG (T) Helmut Just gegründet, beschäftigt die Genossenschaft derzeit 35 Mitarbeiter in der Produktion von Milch, Pflanzen und regenerativen Energien. Die zugehörigen 850 ha landwirtschaftliche Nutzfläche werden mit Getreide, Mais und Gras zur Fütterung bestellt. Im Bestand befinden sich etwa 2.200 Tiere, davon rund die Hälfte Milchkühe. 1999 wurde die eigene Biogasanlage in Betrieb genommen, die mit einem Fermentervolumen von insgesamt 1.800 m³ (ausschließlich betriebseigene Rindergülle) und einem installierten 250 kW-Blockheizkraftwerk eine elektrische Energieleistung von ca. 2 Mio. kWh pro Jahr erreicht. Die Milchwirtschaft Dehles unterhält auf ihrem Gelände außerdem eine Kantine mit frisch zubereiteter, preiswerter Hausmannskost zum Frühstück und Mittagessen.

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