Mein VogtlandZwischen Pauken und Trompeten

Es hat mit kalten Gefängnismauern zu tun, dass Bernd Erdmann zu einem führenden Anbieter von Luxus-Saunen in Deutschland wurde. Die Lebensgeschichte des Weischlitzers taugt für ein ganzes Buch – und erlebte in den kalten Straßen von Leipzig vor zwei Jahren einen spannenden Höhepunkt.

Damals tauschte der Unternehmer Bernd Erdmann seine Anzüge gegen Bettlerkleidung und zog an dunklen Dezember-Tagen durch die Messestadt – selbst nachts schlief er auf der Straße. Der Grund: Der Weischlitzer war auf der Suche nach der selbstgeschriebenen Geschichte seines Lebens. Die wurde ihm samt Laptop bei einem Autoeinbruch in Leipzig gestohlen.

„Viele meiner Erlebnisse hatte ich aufgeschrieben und nur auf dem Laptop gespeichert.“

Wiedergefunden hat er ihn nicht. Bernd Erdmann ist ein Mann für ungewöhnliche Ideen. Wenn jemand ein Buch schreiben sollte, dann er.

Los geht seine spannende Lebensgeschichte schon 1981: Kritische Plakate gegen den DDR-Staat waren Schuld, dass sein Elternhaus vom Geheimdienst gestürmt wurde. Die Transparente hatte Bernd Erdmann mit seiner Frau Michaela am 1. Mai vor einer Tribüne angebracht.

„Wir waren jung, wollten die Welt verändern“.

Er musste für ein Jahr ins Gefängnis.

„Das befand sich in einer alten Burg, überall war es kalt, auch in den Herzen der Menschen. In den nassen, klammen Mauern habe ich eine Sehnsucht entwickelt. Ich wollte Orte schaffen, an denen man sich wohl und behaglich fühlt.“

Das hat er geschafft: Als gelernter Holzbildhauer ist er der kreative Kopf in seinem Weischlitzer Unternehmen. Die rund 15 Mitarbeiter bauen für „führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik“, wie Bernd Erdmann sie nennt, nicht nur die Saunen, sondern ganze Bäder, Schlafzimmer und Küchen.

Sie arbeiten mit feinsten Materialien, vereinen verschiedene Einflüsse und überraschen mit eingebauter Musik, Lichtspielen und Fernsehen. Die Wellnessbereiche des RB Leipzig und des Dresdner Hotels „Taschenbergpalais“ stammen von ihnen, auch der Saunabereich im Berliner Hotel „Adlon Kempinski“. Ihre Arbeit findet sich in Luxusdampfern auf dem Meer und in teuren Villen von der Schweiz über den Mittelmeerraum bis nach Asien.

„Wir haben aber auch gute Angebote für die Bewohner der Region.“

„Früher hatte ich einen Wunsch: Dass ich mit meiner Kunst bis nach Asien fliege. Das ist mir wieder eingefallen, als ich wegen eines Auftrags im Flugzeug nach Hongkong saß.“

Bernd Erdmann ergänzt:

„Auch wenn der Ruf von Sachsen in letzter Zeit gelitten hat, ich höre nicht auf, von den tollen Menschen im Vogtland zu berichten, die hier leben und arbeiten.“


Vita:

  • 1963 in Gera/ Thüringen geboren
    Ausbildung zum Holzbildhauer
    seit 1986 im Vogtland heimisch
    verheiratet