Mein VogtlandIm Einsatz für die Menschen – ein Leben mit Tiefgang

Als Geschäftsführerin der AWO Auerbach hat Katrin Schmidt Verantwortung für fast 500 Mitarbeiter. Sie betont: Die Menschlichkeit ist ihr wichtig, denn sie macht ihre Arbeit besonders. Und sie schaut gerne zurück auf ihre Zeit als Erzieherin, in der sie Heimkindern half, eine eigene Perspektive für ihr Leben zu entwickeln.

Auf zwei Dinge möchte Katrin Schmidt nicht verzichten: Auf genügend Ruhephasen, in denen sie gute Bücher lesen kann, und auf den großen, roten Sandsack in ihrem Büro, der hin und wieder zum Einsatz kommt. Beides kann sie gut gebrauchen, denn in ihrem beruflichen Alltag als Geschäftsführerin der AWO Auerbach muss sie einen Spagat schaffen:

„Eine soziale Einrichtung soll sich selbst tragen, da wird es oft sehr emotional. Ich muss zwischen nüchternen Fakten und der Empathie gegenüber den Menschen abwägen.“

Sie kennt beide Seiten: Viele Jahre hat sie mit Kindern gearbeitet, denn das war ihr Berufswunsch. „Die Arbeit ist nie oberflächlich, sondern geht sehr nahe. Es gibt auch Rückschläge, aber wenn es dir gelingt, jemandem wirklich zu helfen, ist es das größte Erlebnis“, meint die 51-Jährige. 

Dabei entschied sie sich als junge Frau anfangs gegen ein Pädagogik-Studium. „Meine Eltern wünschten sich, dass ich einen richtigen Beruf lerne. Deshalb wurde ich zuerst Schuhverkäuferin. Trotz allem war es eine gute Zeit.“ In ihrer Heimatstadt Reichenbach versorgte sie ihre Freundinnen mit den neuesten Kreationen. „Ich weiß noch: Jesus-Latschen und Sandalen mit Holzabsätzen waren schick“. Ihre Berufung sah sie jedoch woanders: „Danach habe ich in der Nähe von Chemnitz eine Ausbildung zur Kindergärtnerin gemacht.“ Und das, obwohl sie inzwischen selbst Familie hatte. 

„Ich bin eine typische ostdeutsche Frau: Habe früh geheiratet und Kinder bekommen und mich trotzdem beruflich weiterentwickelt.“

Das sollte die nächsten Jahrzehnte nicht aufhören: Ein großer Ordner voll mit Abschlüssen und Zertifikaten erzählt davon, wie ernst es Katrin Schmidt mit ihrem Lieblingsberuf war. Neben unzähligen Lehrgängen und Schulungen schloss sie zuerst das Studium zur Erlebnis-Pädagogin und schließlich zur Gesundheitsmanagerin ab.

Nach ihrer Zeit als Kindergärtnerin wurde sie Heimerzieherin. „Das war besonders intensiv. Bei diesen Kindern nimmt man viel mehr am Leben teil und kann ihnen eine Wende geben. Es entwickeln sich tiefe Beziehungen.“ Sie erinnert sich an Weihnachtsabende, wo sie mit den Kindern Orangen geschält und Nüsse geknackt hat. Oder wie sie die Kleinen in eine Decke einkuschelte, oder ihnen Märchen vorlas. „Es ist wundervoll, einen Menschen dann zum Schulanfang zu begleiten, oder bei einer Entbindung dabei zu sein, oder mit ihm einen Ausbildungsabschluss zu feiern.“

 Seit 20 Jahren ist Frau Schmidt nun bei der AWO Auerbach und seit sechs Jahren als Geschäftsführerin neben der Kinder- und Jugendarbeit auch für die Alten- und Krankenpflege, die Beratungsstellen und den Bereich Bistro – Catering - Menüservice verantwortlich.

„Mit den Senioren ist es ähnlich wie mit den Kindern: Wir wollen ihren Alltag lebenswert gestalten. Das kostet Kraft, ist aber sehr erfüllend.“

Ihre eigenen Kinder haben ebenfalls soziale Berufe gewählt: Der Sohn ist Pflegedienstleiter, die Tochter Sozialpädagogin. Und als zweifache Oma meint sie:

„Ich bin sehr bodenständig und verhaftet mit meiner Heimat. Ich gelte als große Verteidigerin des Vogtlandes. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist schön, man kennt seine Ansprechpartner und weiß, dass alle versuchen, an einem Strang zu ziehen.“

Und falls es doch einmal Ärger gibt, hat Frau Schmidt immer noch ihren großen, roten Sandsack.