Christopher RubinDen Weg ins Vogtland nie bereut

Vor fünf Jahren war es, als Christopher Rubin erstmals in Vogtland kam. „Ich habe das bis heute nicht bereut, weder beruflich noch persönlich“, sagt der 40jährige und fügt als Grund an: „Wir sind nicht einfach aufgenommen worden, als irgend ein Investor, er aus dem Westen kommt. Es war und ist freundschaftlich, sogar familiär, man spürt, dass es nur gemeinsam geht.“

Christopher Rubin in seinem kleinen Arbeitszimmer in Oberlosa. Fotos: Brand-Aktuell
Christopher Rubin in seinem kleinen Arbeitszimmer in Oberlosa. Fotos: Brand-Aktuell

Grund für den damaligen Besuch: Die Rubinmühle aus Lahr-Hugsweier will in Plauen-Oberlosa für 13,5 Millionen Euro eine neue Schäl- und Flockenmühle bauen, die modernste in Europa. Dafür integrieren Vater Karl-Rainer Rubin und Onkel Rolf Rubin 2013 Christopher ein Jahr früher als abgesprochen in das 330 Jahre alte Familienunternehmen. Er wird den Bau des 30 Meter hohen Mühlengebäudes leiten und die Anlage zum Laufen bringen. Außerdem soll eine Produktionskette in der Region entstehen, Landwirte bauen den Hafer an, der wird in der Region gelagert, in der Mühle verarbeitet und unter anderem im „Lebensgarten“ in Adorf verarbeitet.

„Wirklich eine Zeit großer Herausforderungen“,

umschreibt Christopher Rubin mit einem Lächeln diese Jahre. Damit meint er nicht nur die gerade mal 15 Monate Bauzeit, sondern auch die ersten beiden Jahre, um die Mühle zum Malen zu bringen.

„Die nach wie vor gute Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung des Landkreises und sehr engagierte Mitarbeiter“,

nennt der junge Geschäftsführer zwei der Gründe, dass es klappte.

Vom Dach des 30 Meter hohen Mühlenturms genießt Christopher Rubin regelmäßig den Ausblick über das Vogtland.
Vom Dach des 30 Meter hohen Mühlenturms genießt Christopher Rubin regelmäßig den Ausblick über das Vogtland.

Zu den engagierten Mitarbeitern gehören junge Fachkräfte, die aus dem Schwarzwald mit ins Vogtland kamen, „zwei haben auch ihre Freundin mitgebracht“, so Rubin. Außerdem kehrten Müller ins Vogtland zurück. Auch zwei Kollegen, die schon 63 waren, als sie in der Mühle anfingen, bringen ihr Fachwissen ein. Und in diesen Wochen beenden die ersten eigenen Azubis ihre Ausbildung.

„Das Team muss selbstständig funktionieren, die tägliche Arbeit meistern. Unsere Aufgabe in der Geschäftsführung ist es, die Rohstoffe ranzuschaffen, den Vertrieb zu organisieren und die Mühle für die Zukunft auszurichten, damit die Arbeitsplätze sicher sind“,

beschreibt Christopher Rubin die Firmenphilosophie. Dazu gehört auch, dass in der Familie keiner abhebt.

Diese Bodenständigkeit bringt Christopher Rubin auch in sein Ehrenamt als Botschafter des Vogtlands ein.

„Für junge Familien bietet das Vogtland jetzt ein gutes Umfeld. Es gibt anspruchsvolle Jobs, viele soziale Einrichtungen, Vielfalt in der Natur“,

zählt er Fakten auf, mit denen er für das Vogtland wirbt. Dabei verschweigt er seinen Eindruck nicht, dass für junge Leute in der Sturm-und-Drang-Zeit nicht gerade der Bär steppt. Er selbst fühlt sich wohl am Stadtstrand in Plauen, an und in der Pöhl, führt Besucher gerne zur Göltzschtalbrücke mit Ketzels Mühle und genießt ab und an Bad Elster mit dem Albertbad und dem Naturbad.

„Na ja, ich komm ja aus einem kulinarischen Wunderland, geprägt auch durch die Nähe Frankreichs, da hat das Vogtland schon noch etwas Nachholbedarf“,

meint er. Trotzdem nutzt er jede Möglichkeit, um Leute zu überzeugen, das Vogtland wegen seiner Vielfalt im Urlaub zu besuchen.

links: Gemeinsam mit Müller Toni Lenk prüft Christopher Rubin, rechts: Mit dem symbolischen Spatenstich von Rolf, Christopher und Karl-Rainer Rubin (von links) begann im Juni 2014 der Bau der modernsten Schäl- und Flockenmühle Europas in Plauen-Oberlosa.
links: Gemeinsam mit Müller Toni Lenk prüft Christopher Rubin, rechts: Mit dem symbolischen Spatenstich von Rolf, Christopher und Karl-Rainer Rubin (von links) begann im Juni 2014 der Bau der modernsten Schäl- und Flockenmühle Europas in Plauen-Oberlosa.

Wichtig ist für Christopher Rubin, dass man sich auf ihn und sein Familienunternehmen verlassen kann. Die Rubinmühle Vogtland steht dafür. Nicht nur die geplanten 26 Jobs sind entstanden, sondern sogar 40. Weitere Mitarbeiter in der Produktion werden derzeit gesucht.

Kamen 2014 gerade Mal hundert Tonnen Hafer von vogtländischen Feldern, waren es 2016 schon 900, 2018 werden es 3.000 bis 4.000 sein. Das Ziel liegt bei mindestens 20.000 bis 25.000 Tonnen. Dafür hat gegenüber der Mühle in Oberlosa schon ein Getreidehändler neue Lager gebaut. Kunden in Osteuropa kamen hinzu. Und in der Rubinmühle selbst soll in ein größeres Lager für die Fertigprodukte investiert werden.

Zur PersonChristopher Rubin

Vita

  • 1977 in Lahr / Schwarzwald geboren
  • lebt im Vogtland, in Lahr-Hugsweier und in der Schweiz
  • ging in Lahr zur Schule, studierte in Stuttgart Wirtschaft sowie an der schweizerischen Müllerei-Fachschule St. Gallen
  • nach dem Studium ab 2004 bei der Bühler AG in der Schweiz tätig, unter anderem als Leiter Produktmanagement und Marketing
  • 2013 stieg er in 14. Generation die 330 Jahre alte Rubinmühle ein
  • baute ab 2014 die Rubinmühle Vogtland auf und brachte sie zum Laufen
  • leitet jetzt die strategische Weiterentwicklung des traditionsreichen Familienunternehmens mit 220 Mitarbeitern
  • seit einem Jahr verheiratet mit seinem Partner, mit dem er seit 14 Jahren zusammen lebt