Frank KuhnertLiebevolle Handwerkskunst: Erzgebirgische Holzfiguren erobern die Welt

Was ist eine Rauchschnecke? Im Moment gehört sie zu Frank Kuhnerts Verkaufsschlagern. Sie lächelt und trägt eine kleine Poststation oder ein buntgeschmücktes Häuschen auf dem Rücken, aus denen Räucherkerzchenrauch heraus dampfen kann.

„Die Idee kam von mir“, erklärt Frank Kuhnert als Geschäftsführer der Drechslerei Kuhnert. Er und die 80 Mitarbeiter in Rothenkirchen sind die Experten für Erzgebirgische Holzkunst. Bei ihnen entstehen unter anderem Pyramiden, Brillenhalter, Baum- und Strauß-Schmuck – und vor allem natürlich: Die bekannten Räuchermännchen in allen Formen und kleine Holzfiguren. Da gibt es Mäuse, Hasen, klassische Bergmänner und Würmer, die laut Kuhnert auch sehr beliebt sind. Der Lesewurm mit Brille schaut gerade verschmitzt aus seinem Buch hervor, der Holzwurm daneben ist in seine Waldarbeit vertieft. Kuhnert erläutert: „Wir geben den klassischen Räuchermännchen modernen Pfiff. Damit locken wir auch jüngere Kunden an, die den Hintergrund der traditionellen, erzgebirgischen Handwerkskunst trotzdem schätzen.“ Seit vielen Jahren bestehen sehr gute Verkaufsbeziehungen nach Japan, auch Kunden in den USA und Mexiko mögen die putzigen Gesellen. 

„Über 70 Prozent ist in unserer Drechslerei Handarbeit. Und wir verarbeiten nur einheimische Hölzer, wie Birke, Buche oder Fichte – ein Zertifikat bestätigt, dass wir nur ökologisch nachhaltig angebautes Holz verwenden.“

25 Jahre mit Rauchschnecke und Bücherwurm

Den Betrieb gründete Vater Frieder Kuhnert im Jahr 1986. Nach der Wende stellten sich die drei Geschwister der kommenden Generation die Frage, wie es weitergehen soll. Kuhnert: „Die Nachfrage nach derartig traditionellen Produkten ging in dieser Zeit zurück.“ Die drei entschieden, das Familienerbe trotzdem weiterzuführen. Seit 1990 ist Frank Kuhnert, der ursprünglich Bäcker gelernt hat, nun Geschäftsführer – und feiert damit in diesem Jahr sein 25. Jubiläum. Sein Bruder Andreas ist für die Maschinenproduktion und Technik zuständig. Und Schwester Christina übernimmt die Fertigstellung und Musterproduktion. Stellen die Kuhnerts nun erzgebirgische oder vogtländische Holzkunst her? Nach dem Geschäftsführer besteht darin kein Unterschied: Alles geht auf das uralte Handwerk der Region zurück. Und der Begriff Erzgebirgische Holzkunst sei allen geläufig. „Rothenkirchen ist ein Grenzort zwischen Vogtland und Erzgebirge. Die geografische Grenze ist sogar der Bach, der durch unser Grundstück geht“, erklärt Kuhnert. Auch sonst wird in der Firma überregional gedacht: „Wir haben inzwischen drei Heimkehrer aus den alten Bundesländern bei uns. Und eine Frau aus Korea beginnt gerade mit einer Lehre. Sie ist extra mit ihrem Mann hergezogen, der Grundschullehrer ist.“

„Unser Ziel ist es, den Mitarbeiterstand zu halten. Außerdem suchen wir immer gute Fachkräfte. Und natürlich hoffe ich weiterhin auf Kunden, die Wert auf Produkte legen, die in der Region unter fairen Umständen hergestellt werden.“

Vier Filialen besitzt die Drechslerei Kuhnert: Im Werksverkauf in Rothenkirchen, in Klingenthal, der Stadtgalerie Plauen und in Dresden suchen viele Sammler regelmäßig nach Neuheiten. „Wir entwickeln bestimmte Serien immer weiter. Dazu gehört die Rauchschnecke, und neuerdings auch die kleinen Schneeflöckchen aus Holz. Das komplette Sammelsortiment haben wir von einer anderen Firma übernommen.“ Insgesamt werden jährlich 400 Kubikmeter Holz zu rund 600 verschiedenen Artikeln verarbeitet.

„Übrigens eignet sich unsere Holzkunst nicht nur für die Weihnachtszeit. Einzelne Serien und Figuren werden auch gerne als Geburtstagsgeschenk verkauft. Wir haben schon einmal den Publikumspreis der Freien Presse 'Tradition und Form' gewonnen.“ 

Zur PersonFrank Kuhnert

Vita

  • 1967 in Rodewisch geboren
  • von 1984-87 Ausbildung zum Bäcker 
  • ab 1990 Einstieg in Familienbetrieb der Drechslerei Kuhnert
  • ab 1999 Geschäftsführer
  • verheiratet, drei Töchter