Werner WeitzVogtländische Transportbänder und Riemen: Sie bewegen unser Leben

Wenn Werner Weitz seine Branche als relativ krisensicher bezeichnet, ist das nicht allzu weit hergeholt. Ohne die Transportbänder und Riemen der VIS GmbH würde einiges stillstehen: Die Briefsortieranlagen der Post, das Wasserkraftwerk, die Brötchen beim Großbäcker, das Gepäckband auf dem Flughafen oder das Transportband an der Supermarktkasse. 

Wie entsteht eigentlich ein Transportband? In dem Werk in Treuen stehen große Mischpottiche, gefüllt mit Paste aus unterschiedlichen Rezepturen und Farben. Dieses Gemisch wird dann auf Gewebe aufgetragen, geheizt und danach geprägt. Dadurch entstehen die Riemen und Bänder. 500 verschiedene Arten stellt die VIS GmbH her – für fast jeden Industriezweig. Geschäftsführer Werner Weitz hat den Betrieb im Jahr 2000 gekauft. Vorher war er in Bayern bis 1986 in der Kraftwerkstechnik tätig. „Seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich nun schon Riemen und Bändern. Ich wünsche mir, dass wir auch in den nächsten Jahrzehnten am Markt weiterhin gut vertreten sind. Und ich will ein Teil dieser Firma sein, die schon 140 Jahre auf dem Buckel hat, um auch meinen Fußabdruck zu hinterlassen“, sagt der 64-Jährige. 

In den Hallen und Zimmern der VIS GmbH kann man die lange Geschichte des Unternehmens gut nachvollziehen. Werner Weitz wollte und will die historischen Gebäude aus roten Ziegelsteinen erhalten. 50.000 Quadratmeter umfasst das ganze Gelände am Rand von Treuen. In den Spitzenzeiten arbeiteten früher in dem Werk bis zu 450 Leute. Jeden Trend will Geschäftsführer Weitz nach eigenen Angaben nicht mitmachen.

„Ich brauche keine Jacht oder ein teures Ferienhaus, ich bin konservativ und versuche in kleinen Schritten Ziele zu erreichen. Das verbindet mich mit den Menschen hier.“

Als er im Jahr 2000 ins Vogtland zog, sei er von den Leuten fasziniert gewesen.

„Ich war ein Fremder, aber sie haben mich gut aufgenommen. Sie sind bodenständig und haben durch die DDR gelernt, zu improvisieren. In einem mittelständischen Unternehmen braucht es oft nicht für jede Position einen Fachmann, sondern jemanden, der anfängt und sich den Hut aufsetzt.“

Für 60 Mitarbeiter trägt Werner Weitz die Verantwortung. „Mit der Wirtschaft geht es auf und ab. Aber wir konnten die Krisen der letzten Jahre ohne Kurzarbeit oder größere Einschnitte überstehen.“ Als Exportunternehmen, das in die ganze Welt liefert, spürt die VIS GmbH natürlich Veränderungen – wie das Russland-Embargo oder die Probleme in Brasilien. „Außerdem ist es schwierig, gute Lehrlinge und neue Mitarbeiter zu bekommen.“ Aber Riemen und Transportbänder werden glücklicherweise überall eingesetzt. Große Zukunftssorgen hat die Branche nicht.

„Wir sind mit der Industrie, die unsere Produkte braucht, gut vernetzt. Wir dürfen oft hinter die Kulissen schauen und maßgeschneiderte Lösungen erarbeiten.“

Die VIS GmbH sei noch ein klassisches Unternehmen – mit einer eigenen kaufmännischen Abteilung. „Auch hier bilden wir aus. Wir würden uns über junge Leute freuen.“ Eine eigene Entwicklungsabteilung mit einem Labor tüftelt an neuen Herausforderungen. Im Moment wird beispielsweise ein Band für einen Langlaufsimulator entwickelt, auf dem man mit Skiern auch im Sommer trainieren kann. 

Ursprünglich stammt Weitz aus Hessen. Den Reiz der vogtländischen Natur stellt er sogar über seine Heimat: „Die Berge, der Wald – das haben wir auch, aber nicht so zusammenhängend und in dieser Dichte.“ Auch kulturell vermisst er nichts. „Gute Theater sind schnell zu erreichen. Und selbst bis Dresden oder Chemnitz braucht man nicht lange.“ Werner Weitz reist viel in der Welt herum, ist regelmäßig in Asien und in Amerika. „Die vogtländische Küche genieße ich immer, wenn ich heimkomme.“ Er nennt sie „Oma-Style“, Bambes und Sauerbraten gehören dazu. „Es erinnert mich an meine Jugend.“ 

Zur PersonWerner Weitz

Vita

  • 1953 in Offenbach am Main geboren
  • Maschinenbaustudium in Frankfurt am Main
  • seit 2000 Geschäftsführer und Eigentümer der VIS GmbH in Treuen