Philipp PorstC. H. Müller GmbH in Heinsdorfergrund: Vom Webstuhl zu Hightech-Maschinen

Philipp Porst kann auf eine erfolgreiche Familie zurückblicken: Sein Urururgroßvater Carl Heinrich Müller gründete 1868 in Reichenbach eine Baumwollweberei und Wäschekonfektion.

In den folgenden Jahrzehnten passte sich das Familienunternehmen stetig den Veränderungen am Markt an: Mit der Zeit kamen Schuhfutter dazu und Gewebe wurden weiterverarbeitet. Philipps Urgroßmutter heiratete Johann Porst – seitdem hielt dieser Familienname Einzug in das Unternehmen. Aber noch immer tragen die Porsts den Gründungsvater im Firmennamen. Und Philipp Porst ist stolz, dass er die C.H. Müller GmbH unter den heutigen Herausforderungen erfolgreich weiterführen kann – vor allem als wichtiger Zulieferer für die Automobilindustrie. 

„Ich bin viel in der Welt unterwegs, aber ich habe mir ehrlich gesagt noch nie überlegt, von hier wegzugehen. Ich bin tief verwurzelt mit dem Vogtland, das viel Lebensqualität bietet. Im Alltag vergessen wir das oft. Allein die Landschaft ist wunderschön - und auf die Leute ist Verlass.“

Jede Generation hat ihre Herausforderungen 

Philipp Porst ist mit dem Betrieb seiner Vorfahren aufgewachsen. „Ich stand schon mit zehn Jahren an den Maschinen und verbrachte hier meine Ferienarbeit“, meint der 36-Jährige heute. Später studierte er Textil- und Ledertechnik – unter anderem an der Fachhochschule in Reichenbach. Carl Heinrich Müller war übrigens ein Mitbegründer und Direktor der damaligen Reichenbacher Textilingenieursschule. Mittlerweile führt Philipp Porst die C.H. Müller GmbH mit rund 300 Mitarbeitern zusammen mit seinem Vater Thomas Porst. „Ich sehe meine Aufgabe darin, das Unternehmen weiterhin zu einem international anerkannten Fahrzeugzulieferer auszubauen. Wir gehören zu den größten unabhängigen Produzenten in Europa.“ Geliefert wird hauptsächlich die Innenausstattung – laut Philipp alles, was sich „nach Textilien oder Leder anfühlt“. Sein Schlüssel zum Erfolg: Die eigene Entwicklungsabteilung. Sechs Ingenieure tüfteln permanent an Kundenaufträgen nach den neuesten Qualitäts- und Umweltaspekten. Philipp Porst fasst zusammen: „Inzwischen heben wir uns von anderen Anbietern ab – und produzieren für bekannte Baureihen“. Dabei musste das Unternehmen auch flexibel bleiben. „Bis 1990 haben wir hauptsächlich für die Schuhindustrie gearbeitet, dann ist der Markt zusammengebrochen. Niemand hat auf uns aus den neuen Bundesländern gewartet.“

„Wir sollten uns im Vogtland an unsere Textilindustrie erinnern und darauf vertrauen, dass diese auch weiterhin eine Zukunft hat.“ 

Doch er weiß:  Auch für seine Vorfahren und deren Produktionsstätten in Reichenbach oder Netzschkau war es nicht immer einfach. Da war die Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren, die Enteignung in den 70ern, die Frage der Reprivatisierung in den 90ern. In der Region ist die C.H. Müller GmbH mittlerweile eine eigene Institution geworden: „Wir scheinen als Arbeitgeber interessant zu sein.“ Und nicht nur bei Philipp Porst hängen Firmen- und Familiengeschichte zusammen, wie er erklärt: „Einige Enkel gehen bei uns in die Lehre, von denen schon der Großvater hier gearbeitet hat. Solche treuen Mitarbeiter zeichnen uns aus – sie sind wichtiger als die neuesten Maschinen, wenn ein Unternehmen weiter wachsen soll.“ 

„Wir sind gerade dabei, den amerikanischen Markt zu erobern. Und unsere Produkte sind inzwischen in innovativen Bereichen zu finden – dazu gehört die Flugzeugindustrie.“

Zur PersonPhilipp Porst

Vita

  • 1979 in Reichenbach  geboren
  • von 2000 bis 2004 Studium der Textil- und Ledertechnik, unter anderem in Zwickau